Logbuch LAX (I)

    Zurück aus der Engelsstadt. Wie gepanzerte Kugeln gleiten die Autos dort aneinander vorbei, ungerührt von den Gefühlsregungen derer, die ihre Stadt teilen. Mächtige Freeways, Manifestationen betäubter Isolation, bahnen sich ihren Weg durch die Landschaft. Das kaum hörbare Rauschen der Motoren ist die subtile, aber alles bestimmende Tonspur des kalifornischen Filmes.

    Die Kinder im Rücksitz der glänzenden schwarzen Familienwagen werden mit kleinen Monitoren ruhig gestellt. Beim Fahren ist das Telefonieren seit Kurzem verboten. Eine Unannehmlichkeit, die den Kalifornier nicht davon abhält, in gedämpfter Hektik der unabdinglichen Kommunikation nachzugehen. Kleine blaue Knöpfe im Ohr bestimmen nun das Bild und für ungeübte Augen scheint es, als sei ein jeder in heftige Diskussionen mit sich selbst verwickelt.

    Fast sieht es aus, als wäre dieses Treiben auf dem Freeway eine ziellose Angelegenheit, so ruhig bahnen sich die endlosen Autoschlangen ihren Weg. Doch das schleichende Dröhnen der Isolation will vertrieben werden und so fährt man vom Geschäftsessen zum Kinderhort und hält auf dem Weg bei einem der vielen Kosmetiker. Die Familie scheint von nie geahnter Wichtigkeit, ist sie schließlich das Letzte was man sieht, bevor man in den Panzerkapseln zur Arbeit fährt. Da man sonst niemandem trauen kann, muss ein Anschein von Perfektion gewahrt werden, sowohl interner als auch externer. Die Maniküre dient letzterem Ziel und ohne Ahnung von der inhärenten Absurdität lassen sich die Töchter und Söhne des Kapitalismus die Hände von ausschließlich asiatischen Fremden streicheln, mit denen nicht ein Wort gewechselt wird.